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Pfarrkirche St. Jakobus d. Ältere

Im oberen Teil des Dorfes gelegen überblickt die Kirche das Sauertal. Dieser Standort ist nicht zufällig. Ausgrabung und Forschung belegen, dass an dieser Stelle bereits ein keltisches „Quellen-Heiligtum“ seinen Platz hatte. Mit dem Bau der ersten Kirche wurde somit der heidnische Kultort abgelöst und sozusagen getauft.

 

Um einen ersten Eindruck von der Kirche zu gewinnen, empfiehlt es sich den Treppenaufgang links von der Kirche nach oben zu gehen, bis zum Portal der Kirche. Hier hat man einen ersten Blick auf die beiden großen Teile der Kirche, Turm und Kirchenschiff, die so harmonisch zu einander passen, aber aus so unterschiedlichen Bauphasen stammen. Der Turm der Kirche stammt aus romanischer Zeit (11. Jahrhundert), während das Kirchenschiff in der jetzigen Form 1903 fertiggestellt wurde.

Der Turm, aus rotem und weißem Sandstein erbaut, steht in östlicher Richtung. Typische romanische Fenster, bzw. Schallluken im oberen Teil, wo sich auch die 4 Glocken der Kirche befinden. Auffällig sind die Bogenfriese, die die Simse des Turmes schmücken. Sie zeigen florale (pflanzliche) Muster, bzw. „dämonische Fratzen“. Diese Fratzen sind typisch für die Romanik, hier ist sprichwörtlich „der Teufel an die Wand gemalt“. Diese Fratzen dienen dazu, in der Vorstellung der Erbauer der Kirche, das Böse zu bannen und alles Übel von diesem Ort abzuschrecken. Die kleine Treppe links vom Portal führt hinter den Turm. Dort kann man sehr gut erkennen, dass dem Turm links und rechts 2 „Seitenschiffe“ angegliedert sind. Die kleinen schießschartenartigen Fenster im unteren Bereich des Turmes unterstreichen den wehrartigen Charakter dieses Baus, der für die Romanik typisch ist. Wenn sie um den Turm herumschreiten kommen sie zum gegenüber gelegenen Portal. Hier fällt auf, dass das Fenster im Seitenschiff des Turmes gänzlich anders gearbeitet ist wie alle anderen Fenster. Es handelt sich bei diesem Fenster um eine Veränderung und Vergrößerung im gotischen Baustil. Zurück zum Hauptportal.

Im neoromanischen Stil, der Formen und Material des alten Turmes aufgreift, wurde 1903 das heutige Kirchenschiff angebaut, das einen Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert ersetzt. Dieser musste abgebrochen werden, weil er über alle Maßen baufällig geworden war. Auffällig ist, das die Erbauer die Friese des Turmes mit ihren Mustern (Blattwerk und „Fratzen“) genau kopiert haben. Turm und Schiff sollen als ein harmonisches Ganzes erscheinen. Das Portal ist ebenfalls im typisch neoromanischen Stil gehalten. Zwei Löwen tragen das Tympanon. Die Löwen sind hier sicher auch als Symboltiere des Hauses Juda, dem Jesus entstammte, zu sehen (Gen 49,8-10).

Die Kirche in ihrer jetzigen Form ist eine typische dreischiffige Basilika. Ein höheres Mittelschiff wird von zwei niedrigeren Seitenschiffen flankiert, die durch (neo-) romanische Bögen getrennt sind.

Der Hochaltar ist aus Stein gearbeitet (vergoldet) und mit marmornen Säulen verziert. Er symbolisiert das „Himmlische Jerusalem“ (Offb 21-22). Im Hochaltar stehen die Figuren des Pfarrpatrons (Apostel Jakobus, links) und des Patrons der Kapelle der Filiale in Kersch (Hl. Antonius, Abt, rechts), sowie einige Engel. Zentrum des Hochalters ist der Tabernakel; seine Tür ist mit den Symbolen der 4 Evangelisten (geflügelter Löwe > Markus, geflügelter Stier > Lukas, Engel > Matthäus, Adler > Johannes) verziert.

Das Bild in der Apsis zeigt eine Szene aus der Offenbarung des Johannes. Ein Lamm, das aussieht wie geschlachtet (Kelch und Blut), sitzend auf einen Buch mit 7 Siegeln, umgeben von Engeln (Offb 5). Die Fenster in der Apsis stammen, wie alle anderen Fenster der Kirche auch, aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Fenster zeigen die großen Ereignisse, die das Leben Jesu betreffen.

  • Fenster links: Der Engel Gabriel bringt Maria die Botschaft, das sie den Sohn Gottes empfangen soll (Verkündigung des Herrn, 25. März).
  • Fenster in der Mitte: Die Geburt Jesu (Weihnachten 24./25. Dezember).
  • Fenster rechts: Auferstehung Jesu (Ostern).

Die Fenster geben so auch Zeugnis von den großen Christusfeiertagen im Laufe des Kirchenjahres.

 

Vorne rechts im Altarraum steht die Kanzel. Auch sie ist aus Stein und Marmor gearbeitet und wird von Löwen getragen. Am unteren Ende ist ein Psalmwort zu lesen: „Höret ihr Kinder, die Furcht des Herrn will ich euch lehren“. Der Zelebrationsaltar steht erst seit Mitte der 80er Jahre an seiner Stelle. Er ist aus Holz; die Altarplatte aus Granit. Wenn auch im neogotischem Stil gearbeitet, greift er doch die Farben der Kirche auf und wird so nicht als störend empfunden. Der Zelebrationsaltar beherbergt eine Monstranz mit einer Reliquie des Hl. Apostels Jakobus, die auch im unteren Bereich des Altares sichtbar ist. Das Taufbecken gehört wieder zur Originalausstattung der Kirche und ist ebenfalls aus Marmor und Stein gearbeitet; der Deckel aus Messing gibt in lateinischer Sprache ein Zitat aus dem Hohenlied (Hld 4,15) wieder, sie lautet: „Die Quelle des Gartens bist du, ein Brunnen lebendigen Wassers.“

Der Seitenaltar links zeigt die Figuren der Muttergottes (sitzend), des Hl. Dominikus und der Hl. Katharina von Siena. Dominikus reicht der Muttergottes den Rosenkranz dar. Dominikus und der nach ihm benannte Dominikanerorden haben sich ab den 12. Jahrhundert besonders um die Verbreitung des Rosenkranzgebetes verdient gemacht. Die Hl. Katharina ist besonders dafür bekannt, dass sie sich für eine Reform der Kirche und des Papsttums und die Rückkehr der Päpste aus ihrem französischen Exil in Avignon eingesetzt hat. Der Seitenaltar rechts zeigt eine Herz-Jesu-Statue.

Säulen und Pfeiler sind aus unterschiedlichen Materialien in unterschiedlicher Form verarbeitet. Runde Säulen aus polierten Granit wechseln sich mit eckigen Pfeilern aus Kalksandstein ab. Dieser Wechsel von runden Säulen und eckigen Pfeilern nennt man auch „Echternacher Stützenwechsel“, weil dieser Baustil vor allen aus der Basilika in Echternach bekannt ist. Gekrönt sind Säulen und Pfeiler von neoromanischen Kapitellen, die jeweils verschieden gearbeitet sind. Akanthus-Blätter sind das bestimmende Dekor; dazu kommen einige Vögel. Akanthus-Blätter galten in der Antike als Arznei. Die Erbauer der Kirche mögen vielleicht bei der Auswahl dieser Motive an eine Stelle aus der Offenbarung des Johannes gedacht haben, wo davon die Rede ist, dass im himmlischen Jerusalem Bäume wachsen, deren Blätter den Menschen zur Heilung dienen (Offb 22,1-2). Am mittleren Pfeiler auf der linken Seite finden wir im Kapitell noch einmal die Symbole der 4 Evangelisten wieder. Dort ist ebenfalls eine Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges angebracht. Am Pfeiler gegenüber ist ein Bild der „Muttergottes von der immerwährenden Hilfe“ zu sehen. Maria trägt das Jesuskind auf dem Arm, dem Engel bereits die Marterwerkzeuge zeigen, die bei der Passion am Karfreitag eine so große Rolle spielen werden.

 

An den Wänden der Seitenschiffe finden sich rechts die Piéta (Schmerzhafte Muttergottes) mit einen Opferkerzenständer; links ist ein großen Missionskreuz zu sehen.

Die Fenster zeigen die Darstellungen der 12 Apostel. Angefertigt wurden sie ebenfalls nach dem 2. Weltkrieg, als die ursprünglichen Fenster zu Schaden kamen, in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Decke der Kirche ist eine Holzkassettendecke. Die großen Balken sind verziert mit roten, grünen und goldenen Streifen. Die Kassetten selber sind mit Sternen ausgemalt. Die Symbolik dieser Ausmalung will sicher sagen, dass hier in dieser Kirche ein Stück Himmel schon Wirklichkeit geworden ist. Dort, wo man seinen Glauben feiert, dort, wo Christen sich zum Gottesdienst versammeln, da ist der Himmel schon gegenwärtig.

Im romanischen Turm befindet sich der ehemalige Chorraum des Vorgängerbaus. Über einige Stufen steigt man nach oben und steht vor dem ehemaligen Hochaltar der Pfarrkirche. Der Altar stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist aus Stein gearbeitet; in der Mitte steht die Figur des Pfarrpatrons, des Hl. Apostels Jakobus. Oben im Hochaltar steht die Figurengruppe „Hl. Familie“. Links steht die Kleine Orgel und der Beichtstuhl. Rechts findet sich ein weitere Hochaltar mit einer Figur des Hl. Josef. Dieser Altar stammt aus ehemaligen Filiale von Wintersdorf „Zenzig“, die ehemals zwischen Metzdorf und Wintersdorf gelegen ist und in einer Pestepedemie ausstarb. Der Altar der Kapelle wurde daraufhin in die Pfarrkirche „geborgen“, wo er bis heute seinen Platz hat. Das (gotische) Fenster hier zeigt eine Darstellung der Taufe Jesu um Jordan; ehemals war dies auch der Ort für das Taufbecken, bis es bei der Renovierung in den 80er Jahren seinen Platz vorne im Altarraum gefunden hat.
Genau unter diesem alten Chorraum entspringt noch heute die alte Quelle, die schon zu Zeiten der Kelten Kultort war. Im Kirchbau aus dem 17. Jahrhundert war diese Quelle in der Kirche offen zu sehen, was aber auch sicher durch die aufsteigende Feuchtigkeit mit zum Verfall des Kirchengebäudes geführt hat. Heute ist diese Quelle gefaßt und das Wasser entspringt einen Brunnen etwas unterhalb der Kirche.


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